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Südkurier, 05.11.12

Harald Ruppert

Friedrichshafen Hagenlocher in der Jazz-Weltklasse

Jürgen Hagenlocher ist als Komponist und Musiker in der Weltspitze des Jazz angekommen. Klingt komisch, das als Einspalter in der Lokalausgabe zu lesen, über einen Musiker, der noch kürzlich beim Donnerstagsjazz im Refugium spielte – es stimmt aber doch.

Was der gebürtige „Häfler“ am Sonntag im Friedrichshafener Kiesel mit seinem überwiegend amerikanischen Quintett bot, war ein Traum – und seine neue CD „Leap in the dark“ (Edition Schott) ist ein Pflichtkauf.

Mit Alex Sipiagin (Trompete, Flügelhorn), David Kikoski (Klavier, Fender Piano), Boris Kozlov (Kontrabass) und Donald Edwards (Schlagzeug) dehnt Hagenlocher den magischen Moment auf Konzertlänge. Schon nach den ersten Takten von „Continuous loop“ von Hagenlochers fünf Jahre alter Debüt-CD ersteht eine in sich schlüssige Welt – voller Groove und doch gelassen, mit einem endlos melodischen Bogen, der an jene Ära des Jazz erinnert, in der Dexter Gordon sich in Paris herumtrieb und Miles Davis „Kind of Blue" einspielte. Und doch ist Hagenlochers Musik viel komplexer, wie gerade seine neuesten Stücke zeigen. „Turmoils“ etwa, mit vertrackter Rhythmik, hakenschlagenden Bläserlinien und Soli, die durch sämtliche Instrumente wandern. Wie eng vernetzt die Band ist, die erst vor einer Woche zur CD-Release-Tour aufbrach, zeigt sich hier insbesondere in einem rasenden und dichten Dialog: das Klavier übernimmt den Beat der Drums, die sich wiederum die Melodiephrase des Klavier anverwandeln. Was ist Melodie, was Rhythmus? Und schon löst der Flow die Frage wieder auf.

Kein Stück dauert weniger als 15 Minuten, und bei der Ballade „Dark turns bright“ ist das noch zu wenig: Die Band ist hier reine Intuition und die Musik sinnlich wie Fingerspitzen, die im Dunklen über einen liegenden Akt streichen. Klar, klingt blöd, wenn die Erotik der Klänge in Worte übergeht – zum Glück stehen Hagenlocher und seine Band darüber und finden zu betörenden Soli, die die schwer fassliche und damit umso zauberhaftere Leitmelodie noch intensivieren. Ein schwebend und schwerelos treibendes Klangband von Flügelhorn und Saxofon ist „The myth of the dreamcatcher“ – ein Stück wie das Spiel zwischen einem Traum, der sich bereitwillig fangen lassen will von seinem Fänger, der über der Jagd ins Träumen gerät. Wer über solcher Musik nicht die Augen schließt, hat mit Wachs versiegelte Ohren.

„Pollyanna“ schließlich ist purer Sport, ein groovendes Wunderwerk, das mühelos an Herbie Hancocks „Maiden Voyage“-Phase anknüpft – ein nicht zu packendes Stück virtuoser Sport, das sich haushoch über der gefesselten Aufmerksamkeit des Publikums abspielt.

Auf besagter Hancock-LP befindet sich auch ein Stück namens „The eye of the hurricane“ - und fast hätte Hurrikan Sandy die Tournee der Hagenlocher-Band verhindert: Geschlossene Flughäfen machten es den Musikern fast unmöglich, nach Deutschland zu kommen. Dass es gelang, allein das ist „stürmischen“ Applaus wert.

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